Arbeitskreis Gemeinsame Bildung braucht inklusive Bildung
Sonja Tollinger und Wilfried Prammer
Wir sind ein Zusammenschluss engagierter Einzelpersonen, Vereine, Initiativen und Organisationen, die sich mit Leidenschaft dafür einsetzen, eine zukunftsorientierte Schule zu gestalten. Unser Ziel ist es, Verbindungen zu schaffen – zwischen verschiedenen Schultypen, der Bildungswissenschaft und Pädagog:innen aller Stufen, von der Elementar- über die Primar- bis hin zur Sekundarstufe. Gleichzeitig fördern wir den Dialog zwischen Eltern-, Schüler:innen- und Lehrer:innenvertretungen. Dabei stehen wir für echte Inklusion und eine chancengerechte Bildung für alle. Diskriminierung und rassistische Tendenzen lehnen wir entschieden ab. Unser Leitgedanke: Die Bildung der Zukunft muss Emanzipation in den Mittelpunkt stellen.
Im Rahmen unserer Frühjahrstagung (Freitag, 28. Februar bis Sonntag, 2. März 2025) widmeten wir uns am Samstag, 1. März 2025, ab 14:00 Uhr den zentralen Themen wie Bildungsgerechtigkeit, Bildungschancen, Steuerung und Finanzierung des österreichischen Bildungssystems. Diese Kernfragen wollen wir gemeinsam mit Expert:innen und Bildungsverantwortlichen in Podiumsdiskussionen näher beleuchteten.
Den Auftakt bildete um 14:00 Uhr eine Gesprächsrunde mit Menschen, die aus ihrem Alltag im österreichischen Bildungssystem berichten. Dazu gehörten Stimmen von Schüler:innen, Lehrer:innen, Eltern sowie Vertreter:innen von NGOs. Mit diesen authentischen Einblicken machten wir den Experten und Expertinnen sowie den Bildungsverantwortlichen, die ab 15:00 Uhr teilnahmen, die Gelegenheit, innovative Ansätze im Bildungssystem kennenzulernen und aktuelle Herausforderungen besser zu verstehen.
NGOs-Politik-Podiumsdiskussion (01.02.2025) Kurzbericht
Die Sprecher:innen von Bildungs- und Inklusionsinitiativen (Integration Tirol, Schule im Aufbruch, Bildungsinnovationsdialog, Fairsorgen, Schule brennt, Gemeinsame Bildung 2.0) diskutierten zwei Tage intensiv und tauschten sich am Samstagnachmittag mit den Bildungspolitikerinnen Elisabeth Mayr (SPÖ-Vizebürgermeisterin in Innsbruck), Brigitte Obermüller (NEOS-Landtagsabgeordnete in Tirol), Sigi Maurer (Bildungssprecherin der Grünen im Nationalrat) und Nathalie Hangöbl (KPÖ-Landtagsabgeordnete in Salzburg, Mittelschullehrerin) über Notwendigkeit, Möglichkeiten und Chancen einer breiten, von Parlaments- und Landesparteien mitgetragenen Wende in der Bildungspolitik aus.
Keine Zeit für Stillstand und Resignation
Notendruck auf Kinder und Eltern, insbesondere am Ende der Volksschule, Schulängste, die seit Jahrzehnten bekannte Abhängigkeit des Schulerfolges vom sozialen Status der Eltern müssen überwunden werden.
Kindeswohl, Kinderrechte, die Freude am Lernen und der soziale, demokratische Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und die Zukunftsfragen Klima und das bessere Leben für alle sollen die Wende in der Bildungspolitik bestimmen. Wir haben keine Zeit mehr für Stillstand und Resignation, darüber waren sich die Diskutant:innen und das Publikum rasch einig.
ÖVP-SPÖ-NEOS-Regierungsbildung und Regierungsprogramm als Chance
Das Doppelbudget zur Budgetkonsolidierung und zum Einleiten von Fortschritten in Kindergarten und Schule steht. Gegeben ist auch die Bereitschaft der Regierungsparteien und der Grünen Opposition, für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen und für klare Kompetenzen wenigstens im Schulbereich. Die bestehende intransparente und kostentreibenden Zwei- und Mehrgleisigkeit in der Schulverwaltung muss beendet werden. Die Sanierung der Finanzen der Gemeinden, die als Schulerhalter für den Pflichtschulbereich und für Elementarbildungseinrichtungen zuständig sind, ist eine weitere Priorität.
Window of Opportunity 2025-2028
Klare Aufgabenverteilung, Regelungs- und Verantwortungsstrukturen und ein aufgabenorientierter Finanzausgleich sind im Regierungsprogramm vorgesehen und sollten sofort angegangen werden. Klarheit in der Kompetenzverteilung schaffen ist keine Kostenfrage, aber dringlich. Denn der nächste Finanzausgleich 2028 sollte nicht mehr auf Basis überholter und undurchsichtiger Rahmenbedingungen erfolgen.
Gemeinsame Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit ....
..., dafür haben sich die anwesenden Parteienvertreter:innen ausgesprochen, um Fortsetzung und Intensivierung der Zusammenarbeit aller Initiativen für eine inklusive gemeinsame Bildung. Die Sozialpartner könnten ihre Bad Ischler Bildungsgespräche wieder aufnehmen.
Die Initiative „Bildung 2.0“ bleibt weiter dran
Der Dialog mit ÖVP und FPÖ wird gesucht und angestrebt. Markus Astner von Gemeinsame Bildung 2.0 bedauerte, dass beide Parteien auf die Einladung nach Salzburg zur gemeinsamen Diskussion nicht reagiert haben, noch nicht. Aber das war heuer, die nächste Tagung ‚Gemeinsame Bildung’ ‚ wird 2026 stattfinden.
Für die Initiative: Reinhart Sellner, Gemeinsame Bildung 2.0
04.03.2025 13:31
Sonja Tollinger und Wilfried Prammer
04.03.2025 13:19
BILDUNGSTAGUNG Gemeinsame Bildung als Chance für Österreich 28.02.25 - 02.03.25
„In der Tagung Bildung 2.0 wurden die seit Jahrzehnten bekannten wissenschaftlichen und aktuellen Argumente für eine gemeinsame und inklusive Schule aufgezeigt und diskutiert. Der Termin der Tagung passt ausgezeichnet mit dem Start der neuen Regierung zusammen, was mich wieder hoffen lässt, eine für ALLE Kinder optimale Schule leichter zu ermöglichen.“
Christian Grabher, Schule am See
„Gemeinsame Bildung - Gesamtschule - Inklusive Bildung von 0-15
die Auseinandersetzung mit den Grundparametern, damit eine gemeinsame Schule funktionieren kann - kann gar nicht oft genug diskutiert werden. Wenn sich jetzt ein Window of opportunity auftut, dann haben wir an diesem Wochenende in den Arbeitsgruppen Wertvolles für Verhandlungsrunden erarbeitet. Ich glaube, dass tatsächlich sofort ein Termin mit dem neuen Bildungsminister vereinbart werden soll. Denn er scheint nicht abgeneigt - und die langjährigen Expertisen all jener, die eine gemeinsame Schule für unabdingbar für eine fairere und gerechtere Bildungslandschaft - Gesellschaft halten, dürfen nicht verloren gehen!“
Barbara Falkinger, Mediatorin, Pädagogin
„Es ist noch ein langer Weg ... nach dieser Tagung erscheint er mir wieder kürzer.
Danke an alle Teilnehmer:innen!“
Monika Gebetsberger, Sonderpädagogin
„Miteinander nachdenken und sich vertraut und wohlfühlen, realistische Zuversicht, Offenheit, Augenhöhe, Inspiration und Lernfreude, Mut und Ermutigung, ... – wenn wir das alles in unsere Schulen bringen könn(t)en, dann haben wir endlich ein Bildungssystem, das uns einen Weg in eine gelingende Zukunft zeigt.
Ein herzliches Danke an alle Menschen, die teilnahmen – und vor allem an die, die das möglich machten,.... allen voran Markus!“
Ingrid Teufel, www.schule-im-aufbruch.at, www.permateach.at, www.jedeskindstaerken.at
„Gemeinsame Schule bedeutet Vielfalt, die Vielfalt, die sich auch bei den Teilnehmer:innen der Tagung „Gemeinsame Bildung 2.0“ in Salzburg gezeigt hat. Es wurden Räume für Beziehungen geschaffen, in denen Offenheit, Sicherheit und authentische Verbindung zu uns selbst und anderen möglich wurde. Das hat mutige Gespräche und Diskussionen ermöglicht und dadurch auch den Fokus auf unser gemeinsames Ziel noch einmal geschärft. Jetzt heißt es zu handeln und möglichst viele andere Menschen zu inspirieren, damit gemeinsame Bildung möglich wird.“
Veronika Geiger, Vlbg. Familienverband
„Es ist über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg Konsens, dass im Bereich der Bildung viel zu TUN ist. Deswegen müssen wir alle schönen Worte, Vorhaben und Versprechungen aufgreifen und dahingehend überprüfen, welche konkrete Schritte JETZT UND NICHT IRGENDWANN gesetzt werden müssen, frei nach Ergebnis dieser Tagung. Taten statt Worte. JETZT!“
Willi Prammer, Lehrender an einer PH, ÖLI-UG
„Die gemeinsame inklusive Schule kann durch die Begeisterung und Arbeit der hier Beteiligten eine Realität werden. Es wir nicht von heute auf morgen passieren, aber das hält uns nicht davon ab, die Vision in kleinen aber stetigen Schritten zu verfolgen und auch zu erreichen.“
Theresa Thalhamer, Lehrende
„Die Tagung hat einen Ort des Wohlfühlens geschaffen und zwar dadurch, dass freundliche bekannte und unbekannte Gesichter zusammenkamen – dadurch, dass die Wichtigkeit und Dringlichkeit einer Bildungsreform im Vordergrund stand – dadurch, dass jede Person, die eigene Erfahrung und Expertise mitgebracht hatte – dadurch, dass Dialog gelebt wurde – dadurch, dass Platz für Humor, Herz und Hoffnung war.“
Olga Bilek, Primar/Inklusion, ZukuL, Wien
„Welche Kraft entsteht, wenn ca. 40 Unterrichtende aller Schultypen (ASO, APS, AHS) gemeinsam mit betroffenen Eltern und Studierenden drei Tage lang die Vision einer gemeinsamen, inklusiven Bildung für alle zum Leben erwecken, konnte am letzten Wochenende bei der Tagung Bildung 2.0 in Salzburg erlebt werden.
Nicht der unwichtigste Beitrag war die Podiumsdiskussion mit vier Politikerinnen,
die diese zukunftsweisende Sicht rückhaltlos teilten und versprachen sich für ihre Verwirklichung nach Kräften einzusetzen.
Das RgORg 23 antonkriegergasse zeigt seit fünfzig Jahren, dass eine solche Schule äußerst erfolgreich sein kann. Mir als Lehrerin, die mehr als 40 Jahre lang gemeinsame Bildung an diesem Standort mitgehalten durfte, bleibt nur mehr, den Organisator*innen, allen voran Markus Aster für ihre unermüdliche Arbeit zu danken. Es sind schon schwierigere Hemmnisse einer gerechten Gesellschaft beseitigt worden. Ein Festhalten an einem keineswegs wissenschaftsbasierten Ist-Zustand, der Demotivation, Leid und Verzweiflung für viele Kinder und deren Eltern mit sich bringt, sollte nicht länger den öffentlichen Diskurs bestimmen dürfen.“
Beate Wallner, Lehrerin, Anton-Kriegergasse, Wien
„Transitionen (Übergänge) sind für alle Beteiligten eine immense sozio-emotionale Belastung, die vom Gesetzgeber bis jetzt noch nicht verinnerlicht wurde. In den aktuellen gesetzlichen Regelungen gibt es weder Unterstützung im Prozess für Kinder, Eltern und Schule, noch die längst notwendige gemeinsame inklusive Schule der 6-15 Jährigen. Studien, ein Blick ins europäische Umland und der unbezahlbare Erfahrungsschatz der Lehrer:innenschaft belegen diese lägst notwendige Verbesserung aller Beteiligten.“
Bernhard Lahner, Sonderschulpädagoge, Personalvertreter
„Diese Tagung war ein klares Signal: Es gibt keinen Grund mehr für Verzögerungen. Die Argumente für eine inklusive, gerechte Bildung liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch, die politische Gelegenheit ist da – jetzt muss gehandelt werden. Wir können es uns nicht leisten, weiter auf Reformen zu warten. Wer heute noch meint, Bildungsselektion sei ein notwendiges Übel, ignoriert, wie sehr sie Kindern schadet. Eine inklusive Schule für alle ist keine Gutmenschen-Vision, sie ist eine Notwendigkeit. Die Tagung hat Mut gemacht – jetzt ist die Zeit, konkrete Schritte einzufordern.“
Sonja Tollinger, Integration Tirol